Familie in Schule – einfach nur konsequent

Erfolge der Arbeit an den Wochenzielen im Unterricht
Erfolge der Arbeit an den Wochenzielen im Unterricht

Seit dem Schuljahr 2014/2015 lernen Eltern und Kinder der integrierten Tagesgruppe an der Reinhold-Burger-Schule gemeinsam, nehmen Großeltern am Unterricht ihrer Enkel teil, werden Kinder von den neuen Lebenspartnern der Eltern dabei unterstützt, Aufgaben zu lösen und ihre selbst gewählten Wochenziele zu erreichen.

Dienstag ist „FiSch-Tag“. FiSch steht für Familie in Schule und wird seit vielen Jahren praktiziert in einer Kooperation zwischen der Schule Hesterberg in Schleswig Holstein und den jeweiligen Heimatschulen der Kinder. Zu Beginn werden in gemeinsamer Runde die Ergebnisse beim Erreichen der Wochenziele präsentiert und besprochen. „Ich rede respektvoll“, „Ich arbeite mit“, „Ich sage leise, was mich stört“, „Ich frage, wenn ich etwas nicht verstehe“ könnten Ziele gewesen sein, die eine Woche zuvor festgelegt wurden. In einem Säulendiagramm ist bildlich dargestellt, was das Kind erreicht hat.

Wer auch immer aus der Familie das Kind an diesem Tag begleitet, nimmt an den folgenden Gesprächen mit anderen Familienangehörigen teil, zum Beispiel über den Umgang mit Erfolgen: „Wofür wurden Sie das letzte Mal gelobt?“, „Was war Ihr letzter  (kleiner) Erfolg?“, „Wie gehen Sie mit Herausforderungen um?“, „Woran merken Sie bei ihren Kindern, dass Ihre Hilfe (un)erwünscht ist?“

Nach dieser Einstiegsrunde finden zwei Stunden Unterricht statt. Eine Lehrerin der mit uns kooperierenden Reinhold-Burger-Schule in Pankow hat sich auf dieses besondere Unterrichtssetting eingelassen. Im Gepäck hat sie Aufgaben, die die Kinder entweder für sich allein, zusammen als Team oder auch mit Familienangehörigen erarbeiten. Wichtig ist ihr dabei die Verantwortung und Selbstorganisation der Kinder, wie sie lernen möchten. „Möchtest du, dass Oma neben dir sitzt?“, „Sagst du es Papa, wenn du es lieber alleine versuchen willst?“

Im großen Raum der Tagesgruppe ist viel los. Neben den Lehrer/innen und den Kindern sind immer ein Familienangehöriger der Kinder und zwei Familientherapeuten da. Die Aufgabe der Therapeuten ist die eines Copiloten beziehungsweise Beraters. Eine Mutter wird zum Beispiel gefragt: „Mein Eindruck ist, dass Leonie gerade sehr konzentriert gearbeitet hat. Sehen Sie das auch so?“ Oder an einen zurückhaltenden Opa gewandt: „Was beobachten Sie gerade?“, „Kennen Sie das von zu Hause?“, „Ist Ihnen das Recht so?“, „Was würde passieren, wenn Sie ihren Enkeln das jetzt mitteilen?“

Bei FiSch geht es nicht allein darum, was das Kind weiß, lernen soll oder alles nicht kann. Wir haben die Beziehung zwischen Eltern und anderen Familienangehörigen zu ihren Kindern bei uns zu Gast. Dieses Zusammenspiel können wir beobachten, thematisieren, reflektieren, vergleichen und bewerten. Wir begleiten einen Prozess, der beginnt, wenn etwas Neues probiert und verändert wird, und wir besprechen und würdigen das, was gelingt.

Nach den zwei Stunden kommen wir in gemeinsamer Runde erneut zusammen. Es wird berichtet, woran gearbeitet wurde und die Kinder schätzen selbst ein, wie gut Sie dabei ihre Ziele erreicht haben.

Vermutlich bestreitet niemand mehr, dass sich Familienbeziehungen auf das Verhalten der Kinder und somit natürlich auch auf das Lernen und Miteinander in der Schule auswirken. FiSch setzt dies lediglich konsequent um und fordert von Familien ihren Einsatz dafür ein, dass das Familienleben angenehmer und weniger sorgenvoll wird und wieder mehr Freuden geteilt werden.

Das, was schwierig ist, geht alle an. Veränderungen sind eine Gemeinschaftsaufgabe. Natürlich ist es nicht einfach für eine allein erziehende Mutter oder Eltern, die im Schichtdienst arbeiten. Es braucht Mut, dem Chef zu sagen, wofür man den Vormittag frei braucht. Und es braucht Überwindung, sich selbst einzulassen. Und doch erleben wir, wie Eltern die Verwandtschaft mobilisieren, erfinderisch und flexibel werden, Prioritäten anders setzen und es auf diese Weise ermöglichen, ihre Kinder mit ihren Bedürfnissen und Entwicklungsaufgaben weniger allein zu lassen, um sich gemeinsam auf den Weg zu machen. Das ist nicht nur fair, sondern auch wirkungsvoll.

Wir sind selbst gespannt auf eine erste Evaluation. Als Team waren wir uns einig, die Eltern nicht mehr im Glauben zu belassen, sie könnten uns die Verantwortung für eine gelingende Entwicklung ihrer Kinder an der Türschwelle übergeben. Stattdessen laden wir sie jetzt ein, ermutigen sie und wollen sie dafür begeistern, es selbst (mit) zu tun. Mehr Interesse, Anregungen oder Fragen zu FiSch sind willkommen!

Christoph Klein & Uwe Haake, „Plan B“ | Kontakt: tagesgruppe-planb@pfefferwerk.de

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