mit.ein.ander | MFT Grundschule

Netzwerke initiieren – Gemeinschaft stärken

»Multifamilienarbeit/ Multifamilientherapie«

Basierend auf einer systemisch wertschätzenden Haltung entwickeln wir gemeinsam mit Ihnen an der Schnittstelle Familie-Grundschule-Jugendhilfe passende Angebote.

Mit der Öffnung der Schulen durch Inklusion und Ganztag entstanden neue Herausforderungen, die eine enge Zusammenarbeit der Bereiche Schule und Jugendhilfe erforderlich machen. Neben einem präventiven Ansatz zur langfristigen Vermeidung von Entwicklungsstörungen, Kindswohlgefährdung, Schulversagen und zur Reduzierung vorzeitiger Schulabbrüche ist unser Angebot eine Antwort auf die Erkenntnis, dass Verhaltensprobleme von Kindern nur unter Einbeziehung und Unterstützung des Elternhauses und ihrer relevanten Kontexte lösbar sind. Unsere Arbeit orientiert sich an einer wertschätzenden Haltung gegenüber Familien und ihren Lebensentwürfen, erweitert deren Wahrnehmungs- und Gestaltungsspielraum durch wöchentliche Multifamiliengruppenzeiten mit dem Ziel die Erziehungskompetenz der Eltern zu stärken und die Entwicklungsbedingungen Ihrer Kinder zu verbessern. Wir aktivieren Kinder und Eltern, Verantwortung für eigene Veränderungen in der Schule und zu Hause zu übernehmen und wollen diese Veränderungen messbar machen.

 

Zielgruppe

  • Grundschüler*innen, denen es verhaltensmäßig/sozial/emotional schwer fällt, im Unterricht mitzumachen, auf Mitschüler und Erwachsene zu achten, sich ohne Stress in einer Gruppe zu bewegen, gute Freunde zu finden
  • Familie der Grundschüler*innen. D.h. mindestens ein Elternteil kommt regelmäßig in die Multifamiliengruppe.

 

Ziele und Chancen

  • Verbleib des Kindes im Klassenverband sichern
  • gemeinsame temporäre Beschulung in einer kleineren Lerngruppe mit acht Schüler*innen ermöglichen und bis zur vollständigen Reintegration in die Heimatklasse schrittweise reduzieren
  • Familien ermutigen und gemeinsame Verantwortung stärken
  • Isolation abbauen, Kontakt und Austausch fördern
  • Probleme anderen mitteilen, mit anderen teilen, gemeinsam neue Lösungen finden und voneinander lernen
  • Verständnis für und Verbesserung von Kontextbedingungen und Kompetenzen, bezogen auf das Kind, seine Eltern und das soziale Netzwerk
  • gelingendere Interaktionen und Beziehungen inner- und außerhalb der Familie
  • Offenheit, gegenseitiger Respekt und Förderung einer nachhaltig verbesserten Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Eltern, Kindern und Lehrer*innen
  • Eltern als Experten für ihr Kind, unterstützt durch eine wertschätzende Haltung

Wir arbeiten gern mit Ihnen an Ihrer Schule und entwickeln ein Angebot orientiert am Bedarf ihrer Schüler und deren Familien. Dafür bringen wir gern unsere fachliche Expertise aus den Bereichen Pädagogik im Grundschulalter, Beratung und Therapie von Familien und Netzwerkkoordination ein. Unser Angebot einer integrierten Tagesgruppe verankern und verknüpfen wir auf verschiedenen Ebenen.

  • Kindergruppe (Beschulung und Betreuung im Ganztag)
  • Multifamiliengruppe (Themen aus Schule und Familienalltag)
  • Einzelfamilienarbeit
  • Netzwerkkoordination

In einem sogenannten Familienklassenzimmer arbeiten wir mit Familien vordergründig in einer Multifamiliengruppe im schulischen Kontext. Hierbei wirkt immer eine Lehrkraft mit.

Was passiert in der Multifamiliengruppe?

Es steht nie nur eine Familie im Fokus und erst recht nicht nur das einzelne Kind. Familien erfahren in der Gruppe mithilfe praktischer, alltagsorientierter Übungen und gegenseitigem Austausch, dass sie nicht allein mit den Problemen sind, erleben Solidarität. Sie wechseln zwischen Unterstützung erhalten und Unterstützung geben. Langsam entdecken sie ihren eigenen Gestaltungsspielraum und erkennen ihre Selbstwirksamkeit, etwas woran sie und oft auch andere schon lange nicht mehr geglaubt haben. Die Multifamiliengruppe bietet Familien Unterstützung und einen Weg aus Resignation und Hoffnungslosigkeit dahin, Probleme und komplexe Belastungssituationen aus eigener Kraft verändern zu können. Für viele Familien entstehen Freundschaften über die Hilfe hinaus.

 

Konzeptionelle Grundlagen

Konzeptionell stützen wir uns auf langjährige Erfahrungen Londoner Kollegen in Multifamilientherapie/ Multifamilienarbeit (MFT/MFA) im Bereich von Jugendhilfe, Schule und Gesundheitsdiensten mit schulverwiesenen Kindern und deren Familien mit dem Ziel der Reintegration in den Regelschulbetrieb. Das Konzept wurde maßgeblich durch Eia Asen und sein Team des Marlborough Family Service in London entwickelt und verbreitet. Die therapeutische Familiengruppenarbeit »bezeichnet ein Setting themenbezogener Familientherapie in einer Gruppe, an der sechs bis acht Familien mit Familienmitgliedern aus verschiedenen Generationen gleichzeitig teilnehmen…«

Mit der Beobachtung anderer Familien und ihrer Spiegelung in ihnen entdecken Familien problematische Interaktionen und – auch in Zusammenarbeit mit anderen Familien – neue Strategien, ohne dass eine therapeutische Erkenntnisförderung notwendig wird. Gleichzeitig stehen Familien nie kontinuierlich im alleinigen Fokus der Arbeit.

MFT bietet Familien mit gering ausgeprägtem sozialen Netzwerk und vielen Überlastungsproblemen ein Maß an Unterstützung und Anregung, eigene Ressourcen zu erweitern, das ihnen weder Gruppentherapie für einzelne Familienmitglieder noch die systemische Einzelfamilientherapie bieten kann. Als außerordentlich sozialer, lebenswelt- und gemeinschafts-orientierter Behandlungsansatz verzeichnet MFT evidenzbasierte und mit randomisierten Studien nachgewiesene nachhaltige Wirksamkeit.“ (Wengler/ Asen (2012): Multifamilientherapie. In Jan V. Wirth, Heiko Kleve (Hrsg.) (2012): Lexikon des systemischen Arbeitens. Grundbegriffe der systemischen Praxis, Methodik und Theorie. Heidelberg (Carl-Auer-Verlag). S.277-280)

 

Unterstützung

Wir danken der Stiftung Pfefferwerk für die finanzielle Unterstützung.