Historische Faltblätter zum ehemaligen jüdischen Kinderheim

Eine besondere Herausforderung für die auszubildenden Mediengestalter*innen war unser Wunsch, für das ehemalige Jüdische Kinderheim, in dem sich heute das Nachbarschaftshaus befindet, zwei historische Faltblätter für einen Nachdruck aufbereiten zu lassen. Gefunden haben wir die Original-Faltblätter im Archiv des Fotografen Abraham Pisarek. Ungewöhnliche Formate und ungewöhnliche Schriftarten haben die Faltblätter; auch das Papier ist nach mehr als 80 Jahren vergilbt. Trotzdem dachten wir, es sei eine einfache Aufgabe. Dann kamen die ersten Fragen: Farbdruck bedeutet gelben Hintergrund, Schwarz-weiß-Druck bedeutet grauen Hintergrund. Beides entsprach nicht unserer Vorstellung davon, wie der Reprint aussehen sollte. Die Aufgabe bestand nun darin, die historische Schrift schwarz und den Hintergrund weiß darzustellen. Dazu war eine ausgeklügelte Methode erforderlich, um die Schrift freizustellen und auch die historischen Fotos in einer der Quelle entsprechenden Qualität beizubehalten. Letztendlich ist es mit viel Fingerspitzengefühl und noch mehr Geduld gelungen, zwei hervorragende Druckvorlagen zu erstellen. Unser besonderer Dank dafür geht an die Auszubildende Sarah Dieu.

Die beiden Flyer sind von großem Interesse für die Arbeit zur Geschichte des ehemaligen Jüdischen Kinderheims in der Fehrbelliner Straße 92. Sie sind aus den Jahren 1934 und 1936. Abraham Pisarek hat die Fotografien dafür gemacht und bearbeitet – »Photoshop mit Schere«. 1936 gab es den Erweiterungsbau in der dritten Etage. Es wurde notwendig, für mehrere Kinder eine Unterkunft zu schaffen, weil deren Eltern verhaftet worden waren oder ins Ausland gingen, in der Hoffnung, die Kinder nachholen zu können. Vorher war das Kinderheim eine Kindertagesstätte, in der auch Jugendliche in Hauswirtschaft und Kinderpflege ausgebildet worden sind.

Es gibt keine weiteren schriftlichen Dokumente über den Verein, der das Kinderheim betrieb. Auch die Anzahl der Kinder beruht auf vagen Erinnerungen der ehemaligen Heimbesucher*innen, die als Kinder natürlich noch keine Sicht auf die Strukturen hatten. Für 1934 liegen uns mit dem Faltblatt erstmalig konkrete Zahlen vor.  Von 180 Kindern in der Krippe, im Kindergarten und im Hort waren acht von ihnen sogenannte Unterkunftskinder, die auch im Haus übernachteten. Das entspricht auch der Erinnerung von David, der 1938 mit dem Kindertransport gerettet worden ist. Auf dem Foto unten ist David der Kleine im Nachthemdchen, der sich die Zähne putzt.

Mit David stehen wir noch heute in Kontakt. Ihn quält bis heute, dass seine Freunde und auch sein Bruder die Grausamkeiten nicht überlebt haben. Er hat aus Dankbarkeit für unsere Erinnerungsarbeit die Kosten für den Nachdruck gespendet. Wer mehr über die Geschichte des ehemaligen jüdischen Kinderheims erfahren möchte, kann gern beim Tag des Offenen Denkmals am 8. September vorbei kommen oder mich anrufen.

Susanne Besch | Nachbarschaftshaus | Kontakt: Fon: 443 71 78, besch@pfefferwerk.de

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Historische Faltblätter zum ehemaligen jüdischen Kinderheim – heute Stadtteilzentrum

Eine besondere Herausforderung für die auszubildenden Mediengestalter*innen war unser Wunsch, für das ehemalige Jüdische Kinderheim, in dem sich heute das Nachbarschaftshaus befindet, zwei historische Faltblätter für einen Nachdruck aufbereiten zu lassen. Gefunden haben wir die Original-Faltblätter im Archiv des Fotografen Abraham Pisarek. Ungewöhnliche Formate und ungewöhnliche Schriftarten haben die Faltblätter; auch das Papier ist nach mehr als 80 Jahren vergilbt. Trotzdem dachten wir, es sei eine einfache Aufgabe. Dann kamen die ersten Fragen: Farbdruck bedeutet gelben Hintergrund, Schwarz-weiß-Druck bedeutet grauen Hintergrund. Beides entsprach nicht unserer Vorstellung davon, wie der Reprint aussehen sollte. Die Aufgabe bestand nun darin, die historische Schrift schwarz und den Hintergrund weiß darzustellen. Dazu war eine ausgeklügelte Methode erforderlich, um die Schrift freizustellen und auch die historischen Fotos in einer der Quelle entsprechenden Qualität beizubehalten. Letztendlich ist es mit viel Fingerspitzengefühl und noch mehr Geduld gelungen, zwei hervorragende Druckvorlagen zu erstellen. Unser besonderer Dank dafür geht an die Auszubildende Sarah Dieu.

Die beiden Flyer sind von großem Interesse für die Arbeit zur Geschichte des ehemaligen Jüdischen Kinderheims in der Fehrbelliner Straße 92. Sie sind aus den Jahren 1934 und 1936. Abraham Pisarek hat die Fotografien dafür gemacht und bearbeitet – »Photoshop mit Schere«. 1936 gab es den Erweiterungsbau in der dritten Etage. Es wurde notwendig, für mehrere Kinder eine Unterkunft zu schaffen, weil deren Eltern verhaftet worden waren oder ins Ausland gingen, in der Hoffnung, die Kinder nachholen zu können. Vorher war das Kinderheim eine Kindertagesstätte, in der auch Jugendliche in Hauswirtschaft und Kinderpflege ausgebildet worden sind.

Es gibt keine weiteren schriftlichen Dokumente über den Verein, der das Kinderheim betrieb. Auch die Anzahl der Kinder beruht auf vagen Erinnerungen der ehemaligen Heimbesucher*innen, die als Kinder natürlich noch keine Sicht auf die Strukturen hatten. Für 1934 liegen uns mit dem Faltblatt erstmalig konkrete Zahlen vor.  Von 180 Kindern in der Krippe, im Kindergarten und im Hort waren acht von ihnen sogenannte Unterkunftskinder, die auch im Haus übernachteten. Das entspricht auch der Erinnerung von David, der 1938 mit dem Kindertransport gerettet worden ist. Auf dem Foto unten ist David der Kleine im Nachthemdchen, der sich die Zähne putzt.

Mit David stehen wir noch heute in Kontakt. Ihn quält bis heute, dass seine Freunde und auch sein Bruder die Grausamkeiten nicht überlebt haben. Er hat aus Dankbarkeit für unsere Erinnerungsarbeit die Kosten für den Nachdruck gespendet. Wer mehr über die Geschichte des ehemaligen jüdischen Kinderheims erfahren möchte, kann gern beim Tag des Offenen Denkmals am 8. September vorbei kommen oder mich anrufen.

Susanne Besch | Nachbarschaftshaus | Kontakt: Fon: 443 71 78, besch@pfefferwerk.de

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