Zu Gast im Erzählcafé am 26. November: Irman aus Bosnien, Schulsozialarbeiter

Erzählcafé im Herbst

18 bis 20 Uhr | Schönhauser Allee 176 | Pfefferberg | Haus 12 | Raum Schwarz-Weißer Pfeffer | Zu Gast: Irman. Er kam Anfang der neunziger Jahre als Kind mit seiner Familie aus Bosnien nach Deutschland und arbeitet heute als Schulsozialarbeiter.

Bericht über unser Erzählcafé am 30. Oktober. zu Gast: Mohammed Jouni, Student an der Alice-Salomon-Hochschule, Sozialarbeiter im Beratungs- und Betreuungszentrum für junge Flüchtlinge und Migrant/innen (BBZ) sowie Mitbegründer der Organisation »Jugendliche ohne Grenze«

Nach einer Sommerpause fand am 30. Oktober unser »Erzählcafé« seine Fortsetzung. Und zwar mit erweitertem Spektrum! Legten wir bisher den Fokus auf die Themen Flucht, Migration und Ankommen, laden wir nun unsere Gäste ein, auch über besondere Lebenslagen zu erzählen. Am 30. Oktober war Mohammed Jouni bei uns zu Gast. Er ist Student an der Alice-Salomon-Hochschule, Sozialarbeiter im Beratungs- und Betreuungszentrum für junge Flüchtlinge und Migrant/innen (BBZ) sowie Mitbegründer der Organisation »Jugendliche ohne Grenze«, einem 2005 gegründeten bundesweiten Zusammenschluss von jugendlichen Geflüchteten.

Geboren im Libanon, kam Mohammed Jouni als 13-jähriger Geflüchteter nach Deutschland. Er berichtete von seinen damaligen Vorstellungen, wie es in Deutschland wäre, über Verwirrungen mit dem deutschen Schulsystem, seiner Zerrissenheit, ob die Flucht das Richtige war und wie es sich anfühlt, nichts gegen fremde Entscheidungen über den eigenen Bildungsweg tun zu können. Er erzählte auch von verletzenden Vorurteilen und den schockierenden Auskünften, aufgrund seines damaligen Duldungsstatus keine Ausbildung absolvieren bzw. nicht arbeiten zu dürfen. Wurde doch von ihm als ältester Sohn erwartet, die Vaterrolle zu übernehmen und Geld zu verdienen, um die Familie nachzuholen. Ein unfassbar schwieriger Spagat, funktionieren zu müssen und keine Chance zu haben, einfach nur Heranwachsender mit eigenen Bedürfnissen sein zu können.

Über Umwege studiert Mohammed Jouni nun Soziale Arbeit und versucht als Mitarbeiter des BBZ jungen Geflüchteten zu helfen, sich in einem für sie fremden System zurechtzufinden und ihnen geschützte Empowerment-Räume zu verschaffen.

Im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für »Jugendliche ohne Grenzen« stellte er auch das von ihm koordinierte Buchprojekt »Zwischen Barrieren, Träumen und Selbstorganisation« vor. Hier ergreifen die geflüchteten Jugendlichen selbst das Wort. Im Fokus: die Jugendhilfe und all das, was – oft nur scheinbar helfend – für die geflüchteten Kinder und Jugendlichen zur Verfügung steht. Wie erleben sie, die geflüchteten Jugendlichen, das Aufnahmeland Deutschland und sich selbst in ihm? Wie empfinden sie ihre Situation? Womit sind sie tagtäglich konfrontiert? Was halten sie von Willkommensklassen? Das Autor/innenkollektiv »Jugendliche ohne Grenzen« gibt Antworten und berichtet über einen Alltag, der geprägt ist von Rassismus und struktureller Diskriminierung und gleichzeitig den alltäglichen Anforderungen des Erwachsenwerdens.

Aus dem Publikum kam die Frage, warum überwiegend vermeintliche Defizite von Geflüchteten im Vordergrund stehen und Dankbarkeit für das, was sie hier erhalten, erwartet wird. Und warum wir nicht dankbar dafür sind, wie andere Kulturen, Ressourcen und Kompetenzen unsere Gesellschaft bereichern. Auch Mohammed Jouni beschäftigt dieses Thema. Er hat sich vorgenommen, zu »Dankbarkeit in der Gesellschaft« weiter zu forschen.

Es war ein lebhafter Abend mit vielen Emotionen und Denkanstößen. Auf jeden Fall lohnt es sich, unser Erzählcafé einmal zu besuchen. Das nächste Erzählcafé findet am 26. November 2018 statt. Dann wird ein Gast, der Anfang der 90er Jahre aus Jugoslawien nach Deutschland gekommen ist, von seinen Erfahrungen zu berichten.

Unser nächstes Erzählcafé fidnet am Dienstag, dem 8. Januar 2019 statt.

 

Daniela Scholze | Sachbearbeitung AL KJHS (scholze@pfefferwerk.de)  & und Susanne Wengler | EL MFT-Tagesgruppe Grundschulen “mit.ein.ander“ (wengler@pfefferwerk.de)

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