Multifamilientherapie und systemisches Netzwerken

unterschiedlich große Hände von Kindern und Jugendlichen
Foto: Fabian Fellmann_pixelio.de

2014 machten wir uns in der Abteilung Kooperation Jugendhilfe – Schule auf den Weg mit Konzepten, die im Hilfeprozess mit Familien verstärkt Aspekte von Gemeinschaftlichkeit nutzbar machen. Dabei ließen wir uns vor allem von Konzepten zu Multifamilientherapie und systemischem Netzwerken anregen.

Multifamilientherapie und Multifamilienarbeit (Asen, Scholz 2009) beschreiben Verfahren und Kontexte für die Arbeit mit Familien mit gering ausgeprägtem sozialen Netzwerk und vielen Überlastungsproblemen. Gearbeitet wird in einer durch eine gemeinsame Thematik verbundenen Gruppe von sechs bis acht Familien mit Familienmitgliedern aus verschiedenen Generationen. Es steht nie eine Familie kontinuierlich im Fokus der Arbeit. Mit dem Potenzial der Gruppe und angeregt durch die Multifamilientherapeuten/-arbeiter/innen erweitern die Teilnehmer/innen ihre Sichtweisen auf ihre eigenen Probleme und auf die Probleme anderer. Sie entwickeln neue Lösungsansätze für sich und andere und reflektieren ihre Umsetzungserfahrungen damit. Weder Gruppentherapie für einzelne, noch systemische Einzeltherapie bieten ein derartiges Maß an Unterstützung und Anregung, eigene Ressourcen und Perspektiven zu erweitern. (Wengler, Asen 2012)

Das Gelingen einer Hilfemaßnahme hängt neben vielen anderen Faktoren maßgeblich davon ab, wie sie mit der Familie und ihrem sozialen und professionellen Netzwerk verbunden ist. Deshalb legen wir einen weiteren Fokus auf Helfer-Familie-Netzwerktreffen. Hier werden konkret Sorgen, Ziele, Kontexte und Zeiträume für Problemlösungen wie auch Erfahrungen und Beziehungen im Hilfeprozess miteinander besprochen. Wichtiger als mit Dritten über die Erfahrungen mit Familien oder Helfern zu sprechen, ist uns dabei, Transparenz und Lebensweltorientierung wirken zu lassen. Geprägt von einer systemischen Haltung und geleitet von diesen Ansätzen fanden wir dafür in unserer Abteilung verschiedene Anwendungsbereiche.

  • Wir entwickelten ein Konzept für eine multifamilientherapeutische Tagesgruppe für Grundschüler/innen und befinden uns mit Jugendämtern und Schulämtern in Gesprächen zur gemeinsamen Umsetzung des neuen Angebotes, das 2015 eröffnet wird.
  • Das Team der integrierten Tagesgruppe an der Reinhold-Burger-Oberschule startete nach den Sommerferien ausgesprochen erfolgreich damit, einmal wöchentlich mit Schülern und ihren Eltern gemeinsam Schule zu machen. Sie lassen sich, angelehnt an die Multifamilienarbeit, vom FiSch-Konzept („Familien gehen in die Schule“) aus Schleswig-Holstein leiten.
  • In der Autismus-Auftragsschule Friedrichshain bringen wir, gemeinsam mit den Kollegen vor Ort, monatlich stattfindende „Familienklassenzimmer“ auf den Weg.
  • Für die Kooperation von Jugendhilfe und Schule gehen wir neue gemeinschaftlich orientierte Wege mit Familien, um Isolation und Hilflosigkeit zu überwinden, Überlastungsprobleme zu verringern, Erziehungskompetenzen erlebbar zu machen und Entwicklungsbedingungen von Kindern anhaltend zu verbessern.

Susanne Wengler, Leitung Tagesgruppe Grundschule | Kontakt: wengler@pfefferwerk.de

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