Besucht das Erzählcafé!

Erzählcafé

Über Migration und Flucht wird dieser Tage viel geredet – allerdings häufig ohne die Beteiligung derjenigen, die eigene Erfahrungen auf diesem Gebiet gemacht haben. Mein erstes Erzählcafé habe ich wahrscheinlich nur zur Hälfte aus Interesse und zur Hälfte aus Pflichtgefühl besucht. Immerhin wird dieses Format von der eigenen Abteilung durchgeführt.

Eingeladen war eine sympathische junge Frau aus Aserbaidschan, die von einem ebenso sympathischen jungen Mann aus Berlin interviewt wurde und ihre Geschichte erzählt hat. Über das Leben in der alten Heimat, über das Ankommen in Berlin und darüber, was aus der Perspektive einer jungen sympathischen Frau aus Aserbaidschan echt total schräg an Deutschland ist. Nämlich das Schülerverhalten und überall Bratwurst.

Der nächste Gast war Yaser, der sich ebenfalls als begnadeter Geschichtenerzähler entpuppte und seine Flucht nach Berlin mit viel Humor und einem Hauch Ironie schilderte. Ich glaube, seit ich Yaser zugehört habe, hat sich mein Bild von Flucht nochmal deutlich verändert. Denn seine Berichte von Freundschaft, Neid, Freude, Leid und von der teils wahnwitzigen Skurrilität an allen Stationen der Reise haben sich mir sehr eingeprägt. Natürlich waren die Erzählungen nicht an jeder Stelle amüsant und witzig, denn man flieht ja nicht aus seiner Heimat, weil man dort so viel Spaß hatte. Die Befürchtung, das Erzählcafé habe zum Zweck, das latent schlechte Gewissen des privilegierten Westeuropäers zu triggern, wäre aber völlig unbegründet. Für mich bietet dieses Format eine Möglichkeit, in angenehmer Umgebung mit netten Menschen in Kontakt zu kommen und dabei interessante Geschichten zu hören.

Für die ungezwungene Atmosphäre spricht auch, dass sich nach der Veranstaltung häufig noch eine Gruppe zusammenfindet, um den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen. Quasi auch Erzählcafé, nur dass diesmal alle durcheinander reden.

Unser nächstes Erzählcafé findet am 7. MAi von 18 bis 20 Uhr im „Roten Salon“ unseres Ausbildungsrestaurants „das pfeffer“ (Schönhauser Allee 176, 10119 Berlin, Haus 14) statt. Zu Gast ist Ghaith Alnwelati Almasri. Er ist 23 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Damaskus (Syrien), ist seit Mitte 2015 in Deutschland und studiert derzeit im 2. Semester an der TU in Berlin.

Björn Steinhardt | Einrichtungsleiter Lernen lernen | Kontakt: steinhardt@pfefferwerk.de

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