Erzählcafé | Flucht – Migration – Ankommen

Einladung zum Erzählcafé

Am 26. Juni fand unser erstes ERZÄHLCAFÉ auf dem Pfefferberg im Haus 12 statt. Die Idee zu dieser Veranstaltung entstand auf unserem Abteilungstag im Herbst vergangenen Jahres.

Im Rahmen der strategischen Planung der Pfefferwerk Stadtkultur soll sich das Format des ERZÄHLCAFÉS zu einer Veranstaltungsreihe des Trägers zu verschiedenen Themen etablieren. Die Methode des ERZÄHLCAFÉS lässt sich beschreiben als Begegnung in angenehmer Atmosphäre, bei der eingeladene Expert/innen in einem geschützten Raum über ihre persönlichen Erfahrungen, Eindrücke und Erlebnisse berichten.

Die Abteilung Kooperation Jugendhilfe – Schule hatte den Auftakt organisiert. Moderiert hat das erste ERZÄHLCAFÉ unsere ehemalige Kollegin Conny Bredereck. Sie ist Gastdozentin an der Alice-Salomon-Hochschule und bleibt uns erfreulicherweise weiterhin verbunden. Zu Gast war Marcel Deiß, Sozialarbeiter und aktiv tätig als Unterstützer von geflüchteten Menschen in Berlin. Aktuell leitet er eine Gemeinschaftsunterkunft in Hohenschönhausen. Etwa 20 Besucher/innen lauschten seiner interessanten und zugleich emotional berührenden Geschichte. Er berichtete vom Ankommen hunderter geflüchteter Menschen in der Glockenturmstraße, seiner Mithilfe bei der Registrierung, der in Akkordzeit von zwei Stunden für 200 Menschen vorzubereitenden Turnhalle in der Malmöer Straße, seiner 14-monatigen Tätigkeit dort und der plötzlichen Anordnung des Freizugs dieser Turnhalle mit weniger als 30 Stunden Zeit für die Organisation. Es war bildlich sehr gut vorstellbar, wie dramatisch diese Situation sowohl für die Geflüchteten, die im Umfeld der Malmöer Straße ein wenig »angekommen« waren und nun erneut mit Bussen an einen neuen fremden Ort gefahren wurden, als auch für Marcel Deiß und seine beiden Kolleg/innen gewesen sein musste, die den Freizug zeitgemäß durchzuführen und die weinenden Menschen zu stärken hatten.

Am Ende seiner Erzählung sprach sich unser Gast dafür aus, dass es nunmehr an der Zeit ist, nicht mehr das Willkommen, sondern das individuelle Ankommen für geflüchtete Menschen zu thematisieren, ihnen zu helfen, ihre Eigenständigkeit, außerhalb von Gemeinschaftsunterkünften, zu erlangen und eigene Visionen zu verwirklichen. Nach einer kurzen Pause hatten die Besucher/innen die Gelegenheit, Fragen zu stellen, die sie auch rege nutzten. Sie interessierten sich zum Beispiel dafür, ob Herr Deiß auch über Abschiebungsverfahren berichten kann und wie der Alltag für die Betreuer/innen in Not- bzw. Gemeinschaftsunterkünften aussieht. Konnte das anfängliche enorme ehrenamtliche Engagement der Berliner/innen bewältigt werden? Wie geht es den Menschen im »Warten« und Nicht-arbeiten-Dürfen?

Die bewegende Veranstaltung dauerte zirka zwei Stunden. Das nächste ERZÄHLCAFÉ ist geplant und soll am 26. September 2017 stattfinden. Eine junge Frau wird über Fluchterfahrungen berichten. Sie/Ihr seid herzlich eingeladen!

Daniela Scholze | Abteilung Kooperation Jugendhilfe – Schule | Kontakt: scholze@pfefferwerk.de

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